Die Geschichte des DomesDer innere RaumBuntglasfenter
Im 10.—12. Jahrhundert erschienen Fenster mit vorwiegend blauer und roter Bleiverglasung in den Kirchen Deutschlands. Sie schufen eine geheimnisvolle und erhabene Atmosphaere. Die besten Kuenstler legten daran ihre Hand, darunter Albrecht Duerer. Aehnlich wie alle mittelalterlichen katholischen Kirchen wurde auch der Dom mit Buntglasfenstern reichlich ausgeschmueckt, die nach der Uebernahme des Domes durch die lutherische Kirche als ein wichtiges Element der Innenausstattung beibehalten, zum Teil auch ersetzt wurden. Mit Sicherheit kann behauptet werden, dass zum Anfang des 20. Jahrhunderts alte Buntglasfenster sowie genaue Informationen darueber nicht mehr vorhanden waren. Historische Urkunden liefern ausserst karge Informationen, dass praktisch alle „Glasscheiben" 1902 erneuert worden seien. Ihre Thematik kann heute kaum nachvollzogen werden. Die Buntglasfenster im Hauptschiff bildeten wahrscheinlich Bibelmotive ab, was von bedeutenden Pers6nlichkeiten und Gesellschaftsgruppen der Zeit grosszuegig finanziert wurde. Stellt man sich vor den Altar und lasst seinen Blick von links nach rechts an den Fenstern des suedlichen und noerdlichen Schiffs entlang wandern, kommt es einem vor, als wurde man im Neuen Testament blaettern. Da sieht man „Die Geburt Christi", von der Familie Kalckstein gespendet. Drei Freimaurerlogen hatten das Buntglasfenster „Die Taufe am Jordan" bestellt und bezahlt, was in Form eines kleinen Symbols unten am Bild vermerkt wurde. Im Auftrag von der Familie Schlobitten entstand „Die Bergpredigt", „Christus und Samariterin" — im Auftrag von Graf Stolberg Wernigerode, „Der Heilige Petrus" wurde vom Grafen von Doehnhof gespendet.
Das Orgelkomplex
Die Orgelpfeifen, Windladen und Gebläse, Ton-und Registertraktur der Orgel wurden von der Firma “Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH” gemacht die seit langem im Russland arbeitet. Insgesamt besteht die Orgel aus zwei miteinander verbundenen Orgeln: der Chororgel und der Großen Orgel. Den genauen Bauplan der Orgel hat die Kaliningrader Firma „Die Schmiede auf der Petschatnaja Strasse“ konstruiert. Alle Dekorationen der Orgel (Figuren, Muster u.s.w.) wurden von der Kaliningrader Möbelfabrik „Maxik“ übernommen. So entstand eine enge Kooperation zwischen Russland und Deutschland. Technische Angaben des neuen einheitlichen Orgelkomplexes (zwei Orgeln zusammen) des Domes machen einen Eindruck: Große Orgel hat 6301 Orgelpfeifer, Chororgel hat 2224 Pfeifer. Gemeinsame Quantität der Registern ist 122. Es gibt die am große Pfeifer (10,5 m) und kleinste (11 mm). Die Grosse Orgel hat vier Klaviatur und eine Pedal, Chororgel hat zwei Klaviatur und eine Pedal. Elektronik ist von „Otto Heuss“ gemacht. Das ist an der großen Orgel der letzten Generation im Russland und Europe. Zwei Orgeln können zusammen und getrennt klingeln, sie sind verbunden wie kommunizierende Gefäße. Einige Monate dauerte die Intonierung der Orgel, die die deutsche Meistern H. Bayer, P. Peterson, R. Pietrusky unter der gemeinsamen Leitung von M. Schuke machten. Die Berechnung der Registernmensuren ist von H. Scheffler. Die Montage der alle Holzdetalen und Muster wurden von kaliningradsche möbeln Fabrik „Maxik“ hergestellt. Junge Malerin O. Jarjomenko hat wie eine Kopie von königsbergischen Orgel die Zeichnungen wieder gemalt. Über der Orgel findet man feuer-rote Vogel Phönix - ein Symbol der ewigen Wiederbelebung. Phönix ist wie ein Zeichen, der zum jeden Mensch sagt, dass im Herz der Leute noch etwas Gutes lebt. Im Zentrum der Orgel ist die Figur der königsbergische Jungfrau Maria - Mäzenen des Domes. EpitaphenUeber die EpitaphenDer Dom stellt nicht nur ein Architekturdenkmal von Weltrang, sondern ein Memorial von europäischer Bedeutung dar. Der Gedanke ans Leben nach dem Tod prägte das mittelalterliche Bewusstsein der Menschen und ließ nach verschiedenen Formen für die Verewigung seiner selbst und seinen Angehörigen suchen, sei es ein Steinsarg, eine Gedenktafel oder ein Grabmal. Das Wort „Epitaph" geht auf das griechische „epitaphos" zurück, was Grabplatte zu bedeuten hat. Es handelte sich dabei um eine Skulptur- und Textkomposition, welche eine schriftliche Ansprache an den Verstorbenen enthielt oder auch seine Worte an die Nachkommen. In solchen Inschriften waren nicht selten Geburts- und Todesdaten sowie Lebensetappen angegeben. Der Brauch solche Grabplatten mit Epitaphen einzurichten, setzte sich bereits seit grauen Vorzeiten durch. Sie gelten als die ersten schriftlichen Denkmäler der vergangenen Epochen. Der Brauch findet heute immer noch Verwendung wenn auch in einer etwas geänderten Art. Im Dom fanden sich über Hundert Grabmale und Epitaphe, welche ein unterschiedliches Kunstniveau.
An den Aussenmauern
An den Innenmauern
Radzwills Epitaphen Den Epitaphen an Innenmauern des Domes wurde von 1955 bis 1960 ein beträchtlicher Schaden zugefügt. Zu erwähnen sind die Reste des Epitaphs für den Fürsten Boguslaw Radziwill und seine Gemahlin Anna Maria, das Grabmal Herzog Albrechts und seiner Gemahlin, sowie von Ludger von Braunschweig. Das Familienepitaph für den Fürsten Boguslaw Radziwill und seine Gemahlin, Fürstin Anna Maria, ist in Form zweier ovalen Medaillons mitten auf einer weißen Marmorplatte gearbeitet: von Anna Maria, am 24. März 1667 gestorben, und von Boguslaw Radziwill. Das Fürstengeschlecht der Radziwills hat tief greifende historische Wurzeln nachzuweisen. Im 18. — 20. Jahrhundert waren sie Fürsten des Russischen Reichs und Preußens. Die Radziwills waren die größten litauischen Magnaten, zu deren Privatbesitz Schlösser, Grundstücke und anderes mehr gehörten. Im Laufe des 16. — 19. Jahrhunderts kleideten die Radziwills die obersten staatli administrativen und militärischen Ämter. I größten Teil des Epitaphs macht die Aufzählt von Radziwills Titel selbst aus. Das Familienepitaph von den Radziwi in den 60-er Jahren des 20. Jahrhund «zerstört, wurde vor kurzem wiederentdeckt im vorübergehend gelegten Fußboden Domes eingemauert. Nach der Restauration wird es an seinem alten Standort montiert. Die Inschrift ist in lateinischer Sprache fasst: „Gott, dem allmächtigen und größten gewidmet. Anna Maria, Fürstin des vornehmsten Geschlechts der Radziwills, seine Frucht und Blüte vor der Zeit abgepflückt wurde. Die berühmteste, welche selbst einem großen Geschlecht Ehre gereichen wird“. Kurz sind die Lebensjahre, lange wird schöne Andenken fort dauern. Eine Eleganz ohne Gleichen ließ ihre ausgeprägte Schönheit noch staunenswerter erscheinen. Vereinigung hat den Untergang herbei führt, unzählige Tränen und heißes Verlangen fanden ein Ende in der Trauerehe, letzte Tochter des Geschlechts, endlose Ti er und verlorener Trost entschlief in Königsberg am 24. März 1667. Der allbekannt! und vornehmste Fürst Boguslaw Radziwill in Gottes Gnaden Fürst von Birschi, Dubinki, Slutzk und Kopyl, des heiligen römisch Reichs, Verwalter von Nevel und Sebe: der Oberführer von Satbul, Präfekt Litau Gouverneur Preußens usw. ließ dieses Monument errichten." Die Restauration wurde von Kunstakademie in Polen mit der Unterstutzung des „Kultur ohne Grenze“ Stiftung gemacht.
Epitaphe für Herzog Albrecht Von besonderer Bedeutung war das Grabmal von Herzog Albrecht I. von Brandenburg. Albrecht war der Sohn des Markgrafen Friedrich von Ansbach, der dem Hohenzollerngeschlecht entstammte, und der Schwester polnischen Königs Sigismund. Er kam im Jahre 1490 in Ansbach auf die Welt. In die Familie des Friedrich von Ansbach wurden 171 der geboren. Albrecht war das achte Kind erwarb eine für damalige Verhältnisse relativ gute siebenjährige Ausbildung im Schloss Brühl und Poppeisdorf. 1511 wurde Albrecht zum Magister Deutschen Ordens auserwählt. Sein Motto lautete „Barmherzigkeit gegenüber dem Untertan, aber ein gnadenloser Kampf auf Leben und Tod gegen den Feind". Herzog Albrecht starb am 20. März 1568 in Tapiau und wurde hinter dem Altar im Dom beerdigt. Er hat selbst den Platz seiner Grablegung bestimmt: "Wir haben für uns selbst und unsere geliebte Gemahlin und Kinder eine Beerdigung im Dom der Stadt Kneiphof-Königsberg ausgewählt". Nach diesem Wunsch wurde der östliche Chorraum des Domes vom restlichen Raum durch eine dekorierte Metallgitter getrennt und „Fürstengruft" genannt. In seinem Vermächtnis hatte der Herzog auch die Finanzierung der Grablegung vorgesehen. „ Für unsere Beerdigung, sowie die Pflege der Gruft soll jährlich, ununterbrochen und ewiglich von unserem Erbe eine Rente in Höhe von 100 Gulden, ausgehend von 30 Groschen pro Gulden, ausgegeben und zugestellt werden ". Dies war Besorgnis um den Schutz und die Erhaltung des Denkmals, welches Jahrhunderte überdauern sollte. Restaurationsarbeit macht kaliningradsche Firma „OOO Gran Mar“, Direktor Beljaew I. A. KapellenUeber die KapellenAls 1992 eine Gruppe von Enthusiasten zum Dom kam, sah er traurig aus. Schutthaufen, von Pflanzen bewachsene Mauern, eingestürzte Gewölbe. Irgendwie musste man aber anfangen. Die Finanzierung fehlte, nur wenige wollten aus reinem Enthusiasmus arbeiten oder mit der miserablen Bezahlung. Viele haben Geld versprochen, aber als es zum konkreten Beitrag kam, so senkte man vor Scham die Augen, murmelnd: Das Budget ist leer und es ist nicht zu helfen. Die Restauratoren begannen mit dem Einfachsten — mit der Säuberung der Raume im Turmteil und in der ehemaligen Konfirmationshalle. Den Schutt musste man im Laufe eines Monats wegschaffen. Sogleich, ohne Hinweis von oben, beschloss man zwei christliche Kapellen zu gründen, eine orthodoxe und eine protestantische als Symbol der Versöhnung zweier Volker. Später fand diese Idee Unterstutzung auch in der Konzeption der Verwaltung über die Nutzung des Domes. Aber diese Konzeption wurde viel später ausgearbeitet und angenommen. Orthodoxe Kapelle
Lutherische Kapelle
Glocken
Die Glocken wurden in Kaliningrad von ortsansässigen Künstlern geschaffen. Die erste, 1180 kg schwere Glocke klingt in G. Sie wurde nach dem Alexander Newski benannt. Der Große Fürst von Nowgorod und Wladimir hatte eine herausragende Rolle in der russischen Geschichte gespielt und indirekt die Gründung Königsbergs beeinflusst. Auf der Außenseite der Glocke ist ein Evangeliumsspruch eingeprägt: „Herr, klare meinen Verstand mit dem Lichte der Vernunft auf. An derselben Stelle steht auch, dass die Glocke „von dankbaren Bürgern Russlands gespendet" worden ist. Die zweite, 700 kg schwere Glocke nannte man „Peter der Große". Sie klingt in A. Darauf ist Peter der Große als Erinnerung an seine Besuche in Preußen und auf dem Kneiphof abgebildet. Die Glocke ist dem 300. Jubiläum der Russischen Flotte gewidmet. Darauf findet sich ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die Glocke von russischen Bürgern gespendet worden ist. Zum Gießen der dritten Glocke verhalfen die Deutschen Burger, die ehemaligen Bewohner Ostpreußens. Sie ist 580 kg schwer und heißt „Kneiphof. Darauf sind die Namen der Spender und der Stempel des Begründers Königsbergs — König Ottokars — gegossen. Die vierte und die kleinste Glocke wiegt 200 kg und heißt „Kinderglocke", denn sie ist dem Andenken an im Kriege umgekommene Kinder gewidmet. Im September 1998 kamen im Türmchen auf der Dachspitze noch zwei Glocken dazu. Eine davon, 13 kg schwer, 220 mm hoch, misst im Durchmesser 210 mm und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gegossen. Die zweite stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist 26 kg schwer, 257 mm hoch und misst 235 mm im Durchmesser. Jede Stunde schlagen die vier Hauptglocken des Sudturms die Uhrzeit, indem die ersten Takte zur Beethovens Ode „Zur Freude" ertonen. Man h6rt das Glockengeläut auch jede Viertelstunde. Zwei kleine Glocken lauten um 8.05 Uhr und um 17.05 Uhr. Jedes Jahr, in der Nacht vom 28. auf den 29. August kommen alle Glocken zum Einsatz. Zur Erinnerung daran was 1944 dem Dom zu Teil wurde ertont ein alarmierendes Sturm-gelaut. Die Glocken werden mit Hilfe von zwei Computern gesteuert. Diese sind mit einer Funksteuerung verbunden, welche das Funktionieren der Uhr kontrolliert. Der aeussere RaumKants Grab
Albrecht Monument
Er wurde 1511 zum 37. Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt, eine Würde, die er bis 1525 innehatte. Auf reichsdeutschen Beistand vertrauend, verweigerte er dem polnischen König den Lehnseid und ließ sich 1520 in einen Krieg mit Polen ein, der aber nach einem Jahr unglücklich für ihn auslief. Das war der letzte Krieg zwischen dem Orden und Polen. Der König von Polen bewilligte ihm einen vierjährigen Waffenstillstand, während dessen Albrecht in Deutschland verweilte. Hier wurde er 1522 während der Religionskämpfe in Nürnberg von Andreas Osiander für die Reformation gewonnen. Auf Luthers Rat legte er das Amt des Hochmeisters nieder und beschloss, den Deutschordensstaat in ein weltliches Herzogtum umzuwandeln, und die Reformation einzuführen. Vor seinem Onkel, dem polnischen König Sigismund I. legte Albrecht deshalb am 8. April 1525 in Krakau den Huldigungseid ab, in dem Albrecht Preußen als ein in gerader, männlicher Linie forterbendes Herzogtum zu Lehen nahm. Auf dem Landtag, der kurz darauf in Königsberg gehalten wurde, erklärten sich alle Stände, den mächtigen und aufgeklärten Bischof von Samland, Georg von Polenz, an der Spitze, für die Anerkennung des neuen Herzogs und für die Annahme der Reformation. Albrecht setzte an die Durchführung seines Werkes alle Kraft. Sofort erschien eine neue Kirchenordnung und die Versuche des Deutschen Ordens, Albrecht wieder zu verdrängen, sowie die beim Kammergericht in Deutschland 1531 gegen den Herzog erwirkte Reichsacht hatten keine andere Wirkung, als dass dieser die Einführung der evangelischen Lehre und die Befestigung seiner Herrschaft umso eifriger betrieb. Das bedeutete das Ende des Ordensstaates in Preußen.
Heute steht das Monument auf die Kants Insel, wo das alte Gebäude der Universität Albertina gewesen war. Die Autoren sind: F. A. Morosov, A. N. Schevzov, “Schmiede auf Petschatnaja Strasse” (Leiter: V. Buterus). |
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